Szene aus The Meltdown

Synopsis

Chile, 1992: In den verschneiten Anden verbringt die neunjährige Inés ihre Ferien im Hotel der Großeltern, die mehr mit ihren Gästen beschäftigt sind als mit dem einsamen Kind. Erst Hanna, eine junge deutsche Skifahrerin, wird zur Vertrauten. Doch Hanna verschwindet spurlos. Und so verwandelt sich die winterliche Idylle in ein Labyrinth aus Andeutungen und Schweigen. Als Hannas Mutter Lina (Saskia Rosendahl) dann noch anreist, stehen plötzlich Vorwürfe im Raum, die die Schuldfrage völlig neu stellen.

Schon in ihrem viel beachteten Debüt „1976“ (bei 14 Films 2022) erzählte Regisseurin Manuela Martelli von den unsichtbaren Spuren der Pinochet-Diktatur. Mit „The Meltdown“, der in Cannes in der Reihe Un Certain Regard seine Weltpremiere feierte, führt sie diese Arbeit am Gedächtnis einer Nation fort. Dabei bleibt sie mit der Kamera immer nah an Inés, ihrem neugierigen Blick und ihrer kindlichen Ahnung, dass die Erwachsenen etwas verbergen. Die weiten Schneelandschaften und leeren Hotelgänge werden zu Bildern einer Gesellschaft, die ihre Geschichte zudecken will. Und Saskia Rosendahl gibt der Verzweiflung von Hannas Mutter eine leise, verstörende Präsenz. Aber Martelli macht aus ihrem Film keinen konventionellen Vermissten-Thriller, sondern ein kühles, irritierendes Initiationsdrama: über das Ende der Kindheit und über eine brüchige und unsichere Demokratie, in der das große Tauwetter noch auf sich warten lässt.

Mit Unterstützung von

  • ARTE

Ebenfalls im Programm