Szene aus All of a Sudden

Synopsis

Vielleicht ist ja das Zuhören die radikalste Geste des Gegenwartskinos. Und niemand versteht das derzeit besser als der japanische Oscar-Gewinner Ryusuke Hamaguchi, der in seinem neusten Geniestreich in drei genialen Stunden voller Gespräche eine utopische neue Welt erschafft.

„All of a Sudden“ erzählt von zwei Frauen in Paris: Marie-Lou leitet ein Pflegeheim und will die Methode der Humanitude durchsetzen: mehr Zeit, Aufmerksamkeit und Würde für die Bewohner. Mari, eine japanische Theaterregisseurin mit schwerer Krebserkrankung, sucht auf der Bühne nach ähnlichen Formen des Miteinanders. Ihre zufällige Begegnung wird zum Beginn einer Freundschaft, deren Intimität sich keiner Definition von Liebe oder Freundschaft fügt.

Wie einst bei Éric Rohmer werden hier Spaziergänge und Gespräche zu großen Abenteuern des Denkens. Doch Hamaguchis Humanismus ist keine reine Weltflucht. Gerade dort, wo der räuberische Kapitalismus selbst die Pflege nach ihrem Nutzen bemisst, entdeckt er kleine Utopien, in denen Schwäche nicht als Mangel gilt. Efira und Okamoto verleihen dieser Nähe eine locker-leuchtende Selbstverständlichkeit für die sie in Cannes als beste Darstellerinnen ausgezeichnet wurden. Ja, „All Of A Sudden“ ist ein Film über Krankheit und Tod, aber einer, der mit jeder Szene mehr Leben schenkt, und der die unvergesslichste Fußmassage der Filmgeschichte zeigt. Man glaubt es erst, wenn man es gesehen hat. Ein Meisterwerk der Zärtlichkeit.

Mit Unterstützung von

  • ARTE

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