Szene aus Nowhere to Lay My Eyes

Synopsis

Zehn Jahre hat Sanghee ihre Mutter nicht gesehen. Nun reist die Experimentalfilmerin mit ihrem Bruder auf die Ferien-Insel Jeju, wo die Mutter ein neues Leben führt: mit Gasthaus, neuem Mann und dessen Tochter. Der Besuch wird zum stillen Kräftemessen. Die Mutter möchte Sanghee ins Familiengeschäft holen, die Tochter interessiert sich mehr für ihre Videokamera. Sie will Bilder machen, nicht Erwartungen erfüllen. Bei Spaziergängen und alkoholgetränkten Abendessen öffnen sich die Figuren und geben verpassten Lebenschancen und bitteren Vorwürfen Raum.

Der koreanische Kritikerliebling Hong Sangsoo gehört zu jenen großen Filmemachern, die mit jeder neuen Variation ihres Kinos eine andere Wahrheit entdecken. Sein 35. Spielfilm lebt von scheinbar banalen Alltagsgesprächen, in denen Familiengeschichten verborgen liegen. Aber diesmal öffnet Hong seine vertrauten Räume etwas weiter: Die üppigen Landschaften von Jeju-Island, das Licht, die Wege zwischen den Häusern werden zu Hauptfiguren einer wunderbaren Meditation über das Sehen selbst. Sanghee streitet mit ihrem Stiefvater, einem Dokumentarfilmer, über die Wahrheit der Bilder, und entdeckt doch mit ihrer Kamera eine Freiheit, die ihr die Familie nicht zugestehen will. Kim Minhee spielt das mit einer geradezu schmerzhaften Zurückhaltung und gleichzeitig auch Freiheit, die einen lange nicht loslässt. Ein kleines, leuchtendes Meisterwerk über die Kunst, mit eigenen Augen auf die Welt zu schauen.

Ebenfalls im Programm