Szene aus Ben’Imana

Synopsis

2012 werden in Ruanda immer noch die Wunden des Völkermords von 1994 verhandelt: Vénéranda, die als Vermittlerin bei den gemeinschaftsbasierten Gacaca-Gerichten arbeitet, steht vor dem Mann, der während des Völkermords ihre Angehörigen ermordet hat, und sie tut etwas, das ihre eigene Familie kaum begreifen kann: Sie vergibt ihm. Aber: Wie soll man vergeben, wenn die Wahrheit noch immer verschwiegen wird? Vénéranda organisiert deshalb Gesprächskreise für Frauen, die über das Grauen von damals sprechen sollen. Doch während die Mütter um Worte ringen, will ihre Tochter Tina endlich ein anderes Leben führen: sich verlieben, ohne nach der Herkunft ihres Freundes zu fragen. Doch eine unerwartete Schwangerschaft lässt die Widersprüche auch innerhalb der eigenen Familie plötzlich aufbrechen.

Regisseurin Marie-Clémentine Dusabejambo erzählt in ihrem Spielfilmdebüt „Ben’Imana“ von einem Land, das nach Versöhnung sucht und doch mit seinen Toten weiterlebt. Sie entwickelt daraus ein vielstimmiges Frauenporträt, in dem Erinnerung weder Pflicht noch Befreiung allein sein kann. Ihre Kamera verweilt auf Gesichtern, beobachtet das Zögern und das Schweigen zwischen den Worten. Politisches und Intimes lassen sich hier eben nicht trennen: Die Forderung nach Vergebung wird selbst zur Zumutung, wenn der Schmerz noch keinen Namen hat. „Ben’Imana“ verweigert so die bequeme Gegenüberstellung von Rache und Versöhnung und findet gerade darin seine bewegende Kraft.

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