REGIEPREIS FÜR "I ONLY REST IN THE STORM" - FESTIVALREKORD MIT 6200 BESUCHER*INNEN
- 7. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Zum Ende der 20. Ausgabe des unabhängigen Berliner Filmfestivals AROUND THE WORLD IN 14 FILMS verlieh die Jury am 6. Dezember 2025 im Kino in der Kulturbrauerei den BASIS BERLIN Postproduction Award für die beste Regie an Pedro Pinho für seinen Spielfilm „I Only Rest in the Storm“ (OT: „O Riso e a Faca“). Jurymitglieder waren die Schauspielerin Melika Foroutan, die Filmregisseurin und Drehbuchautorin Angelina Maccarone sowie die Filmregisseurin und Drehbuchautorin Sophie Linnenbaum. Sie sichteten die Beiträge der Sektion der „14 Filme“ der filmischen Weltreise. Der Preis ist ein Voucher im Wert von 5.000 Euro. Er wurde in diesem Jahr zum fünften Mal vom Postproduktionshaus BASIS BERLIN gestiftet. Das dreieinhalbstündige Werk des Regisseurs, Drehbuchautors, Produzenten und Kameramanns wurde bereits bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes in der Sektion „Un Certain Regard“ mit dem Preis für die beste Schauspielerin (Cleo Diára) ausgezeichnet.
Rekord mit 6.200 Besucher*innen in 45 Vorstellungen
Mit 6.200 Besucher*innen in 45 Vorstellungen erreicht das Festival in seinem Jubiläumsjahr die höchste Besucherzahl seit Festivalgründung (2024: 5.700 Besucher*innen, 48 Vorstellungen). AROUND THE WORLD IN 14 FILMS zeigte vom 28. November bis 6. Dezember 2025 im Kino in der KulturBrauerei sowie den Kinos delphi LUX und Neues Off 24 cineastische Höhepunkte des aktuellen Weltkinos, vorgestellt von den prominenten Pat*innen Bibiana Beglau, Sarah Blaßkiewitz, Mathias Bothor, Vincenzo Bugno, Pegah Ferydoni, Nora Fingscheidt, Luisa-Céline Gaffron, Louis Hofmann, Frédéric Jaeger, Dani Levy, Christiane Peitz, Louise Peter, Ayse Polat, Maria Schrader, Katharina Stark, Fabian Stumm und Nicolas Wackerbarth. Zum siebten Mal präsentierte das Festival gemeinsam mit der Berlinale das „Berlinale Spotlight: World Cinema Fund“ – mit herausragenden Filmen, die mit Hilfe der Berlinale-Initiative entstanden sind.
„I Only Rest in the Storm“ – Die Jury zu ihrer Entscheidung
„Ein Umweltingenieur aus Portugal reist im Auftrag einer NGO nach Guinea-Bissau, um eine Umweltverträglichkeitsprüfung für ein Straßenbauprojekt durchzuführen. Sein Name ist Sergio, und was er in diesem epischen Film des Regisseurs Pedro Pinho vor allem tut, ist: zuhören. Und damit unseren Blick öffnen auf die ganze Komplexität und Vielschichtigkeit einer modernen afrikanischen Metropole, in einem der ärmsten Länder der Welt, das sich 1974 von der Kolonialmacht Portugal befreit hat. Und was wir sehen, sind die Folgen des Kolonialismus. Die Ausbeutung durch das importierte kapitalistische System, den strukturellen Rassismus, die diffizilen Machtstrukturen. Wir sehen den täglichen Überlebenskampf der Menschen, aus unterschiedlichen Schichten, ihre Identitätssuche, ihre Sehnsucht nach einem Platz in einem Land, das unter chronischer politischer Instabilität leidet. Und wir sehen die Schuld, die der privilegierte, gutmeinende und nachdenkliche Sergio, Nachkomme der Kolonialmacht, in sich manifestiert hat, seine Sehnsucht nach Absolution, sein Begehren, ein Teil des Landes, ein Teil der Menschen dort zu werden, und immer wieder auch daran zu scheitern. Je tiefer Sergio in dieses Geflecht aus Diskursen und Perspektiven eintaucht, desto weniger findet er einfache Antwort und eindeutige Urteile.
Pedro Pinho hat hierfür mit einem Drehbuch gearbeitet, das viel Raum für Improvisation ließ. Nach zwei Jahren Montage entstand ein mehr als fünfstündiger Film, der schließlich gemeinsam mit der Produktion auf dreieinhalb Stunden verdichtet wurde – dreieinhalb Stunden voller Überraschungen, Begegnungen und gedanklicher Verästelungen. Es sind schwere Themen, die der Film verhandelt. Pedro Pinho findet dafür einen herausragend natürlichen Fluss, der uns mit fast traumwandlerischer Selbstverständlichkeit durch diese Welt trägt – auf Baustellen, über Flüsse, in kleine Dörfer, zu Familienfesten oder mitten hinein in schillernde Partynächte der queeren Großstadtszene. Die warme, naturalistische Inszenierung bringt uns die Menschen und Themen so nah, berührt uns auf tiefster menschlicher Ebene und konfrontiert uns deshalb umso dringender mit Fragen nach unserer Verantwortung und unserer Schuld. Pedro Pinho beobachtet sehr genau, so präzise, dass es weh tut, während man gleichzeitig lachen muss – über diese stets bemühten NGOs, die gönnerhaft Latrinen in afrikanische Dörfer bringen, während eine Dorfbewohnerin Sergio fünf Mal fragen muss, ob die Europäer tatsächlich ihre Exkremente mit Trinkwasser wegspülen, weil sie diese enorme Dekadenz für eine erfundene Geschichte hält und deshalb nicht glauben möchte. Die Menschen, denen Sergio begegnet, stehen in komplexen Zusammenhängen: europäische Bauarbeiter, gefangen zwischen Ausbeutung und Heimatsehnsucht; Sexarbeiterinnen, die nichts mehr anekelt, als der Helferkomplex mancher Freier; heimische Kapitalisten, die ihre Profitstrategien im Verhältnis zu europäischen Ausbeutungsmechanismen reflektieren. Und im Zentrum dieses Gefüges ein Beziehungsdreieck, das sich jeder eindeutigen Benennung entzieht: Sergio, Diara – für deren Darstellung Cleo Diára, die zurecht in Cannes als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde – und Guilherme. Sind sie Freund*innen, Bezugspersonen, Liebende, Feinde? Vielleicht alles zugleich, nichts ist eindeutig. Gerade in dieser Ambivalenz wird spürbar, dass es im Umgang mit den Fragen nach Verantwortung und Schuld keinen einfachen Ausweg gibt. Aber wir bekommen eine Einladung; es ist eine schillernde, herausfordernde Einladung, der wir folgen sollten, sie ist voller Menschlichkeit und Möglichkeiten, wenn wir bereit sind, zuzuhören. Der Preis des diesjährigen 14 Films Festivals geht an „I Only Rest in the Storm“ von Pedro Pinho. Mehr zum Film...
Das Festival dankt
Premium Partner des Festivals 2025 waren der Audiospezialist beyerdynamic, das Medienboard Berlin-Brandenburg, ARTE und CineStar. Preisstifterin war das Postproduktionshaus BASIS BERLIN. Als Partnern engagierten sich: die Wirtschaftskanzlei Dentons, der World Cinema Fund der Berlinale, die Kreativagentur Chest of Wonders, die Yorck Kinogruppe, das Restaurant Bonvivant, die Agentur Fitz + Skoglund und die PR-Agentur Jelly Press. Unterstützer waren: AG Filmfestival, European Film Academy, Casting Network, Woloho und die Mitglieder des Fördervereins.
Es geht weiter: von Berlin nach München, Köln und Nürnberg
Im Anschluss an die Berlin-Ausgabe ist AROUND THE WORLD IN 14 FILMS mit einem Großteil des Programms zu Gast in München (08.12.–13.12.2025, City Kinos), Köln (11.–17.12.2025, Odeon Kino) und Nürnberg (02.–07.01.2026, Filmhaus Nürnberg).
Foto: Der BASIS BERLIN Postproduction Award, am 6.12.2025 verliehen an „I Only Rest in the Storm“
Bild (v.l.n.r.): Angelina Maccarone (Jury), Frieda Oberlin (BASIS BERLIN), Sophie Linnenbaum (Jury) und Melika Foroutan (Jury) © AtWi14F 2025, Sergio Durán




Hallo zusammen, das ist ja mal ein Artikel, der zum Nachdenken anregt! Die Idee hinter "Regiepreis Only" klingt auf den ersten Blick wirklich spannend und ich kann mir gut vorstellen, dass das eine Menge Filmliebhaber ansprechen würde. Allein die Vorstellung, dass so ein Festivalrecord zustande kommt, ist ja schon beeindruckend. Man merkt wirklich, wie viel Arbeit und Leidenschaft da drin steckt, da kann man nur den Hut ziehen. Allerdings frage ich mich, ob der praktische Aspekt von "Regiepreis Only" nicht noch etwas mehr ausgearbeitet werden könnte. Ich bin jemand, der sich gerne von neuen Ideen begeistern lässt und hier bin ich wirklich nah dran, sofort "Ja" zu sagen. Aber gerade die Umsetzung, das "Wie", das fehlt mir noch ein bisschen.…
Vielen Dank für diesen wirklich spannenden Beitrag! Er hat mich direkt an ein eigenes kleines Projekt erinnert, das ich gerade am Laufen habe, und wie wichtig es ist, auch mal über den Tellerrand hinauszuschauen. Der Ansatz, den du hier präsentierst, "Regiepreis Only", das klingt für mich nach einer faszinierenden Möglichkeit, die tiefer geht und wirklich zum Entdecken einlädt. Ich frage mich ehrlich, ob hier jemand im Kommentarbereich bereits Erfahrungen damit gesammelt hat. Mich würde das brennend interessieren, da ich auch ein paar Leute kenne, für die das Thema super relevant wäre. Was mir besonders gut gefallen hat, war der wirklich nette und zugängliche Einstieg in das Thema, bevor es dann mit "Regiepreis Only" so richtig in die Tiefe geht. Hut…
Hallo zusammen, ich muss sagen, dieser Artikel hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Vor allem der Teil über den Regiepreis für "I Only Rest in the Storm" hat mich neugierig gemacht. Ich lese ja generell gerne über solche Auszeichnungen, aber es wäre toll, noch mehr über die rein künstlerische Entscheidung hinter dem Regiepreis zu erfahren. Habt ihr vielleicht Erfahrungen damit, wie sich diese Art von Prämierung langfristig auf die Wahrnehmung und den Erfolg eines Films auswirkt? Was mir besonders positiv aufgefallen ist, ist die ausgewogene und faire Behandlung des Films hier im Blog. Das ist heutzutage leider nicht immer selbstverständlich. Man merkt, dass hier wirklich qualitätsvoller Inhalt geliefert wird, und dafür muss ich wirklich meinen Hut ziehen. Das spiegelt auch…
Vielen Dank, dass du diese Gedanken geteilt hast! Deine Ausführungen zum "Regiepreis only" haben mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Ich stimme dir vollkommen zu, dass dieser Aspekt oft zu kurz kommt. Wenn ich an mein eigenes kleines Projekt denke, merke ich, dass der praktische Teil oft untergeht, während man sich auf die künstlerische Vision konzentriert https://rollingslots-at.at/ Es ist ein bisschen wie beim Bau eines Hauses – die Idee ist toll, aber die Umsetzung braucht sorgfältige Planung. Mich würde auch interessieren, was du heute anders machen würdest, wenn du noch einmal an die Entstehung von "I Only Rest in the Storm" herangehen könntest. Gab es da vielleicht Momente, wo du dir gewünscht hättest, mehr auf den "Regiepreis only" geachtet zu haben?…
Ich muss sagen, dieser Artikel über den Regiepreis für "I Only Rest in the Storm" hat mich wirklich begeistert. Schon beim Lesen der ersten Zeilen dachte ich mir: "Genau so ist es!" Es ist faszinierend zu sehen, wie sich so etwas wie der "Regiepreis only" entwickelt und welche Aufmerksamkeit er mittlerweile bekommt. Ich habe durch deinen Beitrag wirklich etwas Neues gelernt, super gemacht https://lucky-hunter.net/ Das erinnert mich stark an meine eigene Erfahrung, als ich vor Jahren mal in einer ähnlichen Situation war und nicht wusste, wie ich das alles richtig angehen sollte. Die Art und Weise, wie du die Hintergründe beleuchtest, ist wirklich aufschlussreich. Ich werde diesen Artikel auf jeden Fall weiterempfehlen, weil er so viele wichtige Aspekte anspricht, die…